Das Leben

22
Jan

Was Sie bei Riester beachten sollten!

Im Jahr 2001 hat die damalige Bundesregierung eine Rentenreform beschlossen. Im Duden steht das Wort Reform für „planmäßige Neuordnung, Umgestaltung und Verbesserung des Bestehenden“. In der Politik erfüllt das Wort Reform meist nicht die beschriebene Bedeutung, wie wir im Fall der Rentenreform schnell feststellen werden. Einfach gesagt, im Jahr 2001 wurden die Rentenansprüche aller Bürger in der gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt.

Um die damals beschlossenen Rentenkürzungen abzufedern wurde von Arbeitsminister Walter Riester die heute sogenannte Riester-Rente eingeführt. Dabei wurde ein Sparanreiz geschaffen um dank staatlicher Unterstützung selbst für den Ruhestand vorzusorgen. Mit dem Ziel das vor 2001 bestandene Rentenniveau wieder zu erreichen.

Übrigens wurde im Jahr 2005 schon die nächste Rentenreform durchgeführt, dies nur als Randnotiz.

Um die Auswirkungen dieser Reformen zu verdeutlichen haben wir für Sie ein kleines Beispiel parat:

Im Jahr 1985 erhielt ein Rentner noch 57,4% seines Jahresgehalts als Rente vor Steuern. Hochgerechnet auf das Jahr 2030 bleiben einem als Rentner noch ca. 43% seines Jahresgehalts vor Steuern übrig. Nun folgt Malen nach Zahlen:

Sie sind 67 Jahre alt, verheiratet und haben ein mtl. Nettoeinkommen von ca. 2.100 € und tatsächlich 45 Jahre gearbeitet.

Im Jahre 1985 hätte Ihnen dies noch eine Rente von ca. 1.347 € vor Steuern gebracht.

Im Jahre 2030 könnte Ihnen dies noch eine Rente von ca. 1.009 € vor Steuern bringen.

Problem erkannt, Problem gebannt. Der Staat entwickelte eine staatliche Förderung für Riester-Sparer. Egal ob Sie nun Geld durch einen Riester-Vertrag der Bank-, Versicherungs-oder Fondsgesellschaft ansparen, der Staat unterstützt Sie mit Steuergeldern in Form von Zulagen oder Steuerrückerstattungen in nicht unerheblicher Form.

Seit dem Jahr 2008 ist es auch möglich mit einem Wohnriester-Vertrag vorzusorgen. Hierbei wird einfach das selbstgenutzte Wohneigentum (Wohnung, Haus) über ein Riester-Darlehen oder einen Bausparvertrag finanziert. Hier werden die Förderungen nicht angespart sondern in die Darlehen als Tilgung eingesetzt. Somit unterstützt der Staat die Eigen heimförderung und ein mietfreies Wohnen im Ruhestand.

Welche Art des Riesterns für Sie die richtige ist, können wir in unserem Blog nicht abschließend beurteilen. Zu verschieden und im Detail auch zu komplex sind die einzelnen Angebote. Wenn Sie sich hier im Internet schlau machen wollen, werden Sie womöglich hunderte Artikel finden die sich über das Pro und Contra von verschiedenen Riester-Angeboten auslassen.

Daher möchten wir Ihnen wichtige Kriterien an die Hand geben und Sie vor einer zu schnellen Entscheidung oder Fehleinschätzung schützen.

  1. Beachten Sie, dass Sie die oben beschriebene Rentenlücke mit einem Vorsorgekapital schließen sollten. Denn auch als Hausbesitzer fallen weiterhin hohe Kosten an. Planen Sie Sanierungs- und Instandhaltungskosten ein.
  2. Beachten Sie, dass Ihr Riester-Ergebnis (Kapital oder Haus) im Rentenalter besteuert wird. Dies kann bedeuten, dass Sie weniger Rente zur Verfügung haben oder gar eine Steuer aufgrund Ihres Eigenheimes zahlen müssten. Und dies obwohl Ihr Haus ja keine Erträge abwirft.
  3. Beachten Sie, dass Wohnriester immer sehr auf einen Lebensmittelpunkt bezogen ist. Dies könnte Sie in Ihrem späteren Leben durchaus einschränken. Denn verkaufen Sie das Eigenheim um ohne Wohnsitz eine Weltreise zu machen, werden alle Förderungen zurückgefordert.
  4. Beachten Sie, dass Kapitalriester sehr Personen bezogen ist. Denn Sie müssen einen Großteil des angesparten Geldes in mtl. lebenslangen Renten erhalten. Weiterhin sind Sie in der Vererbung eingeschränkt.
  5. Prüfen Sie laufend ob auf Ihren Vertrag die staatlichen Förderungen eingegangen sind. Durch Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder einer Scheidung ändert sich häufig der gestellte Förderantrag.
  6. Es gibt die Möglichkeit Riesterprodukte abzuschließen ohne eine staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Dies kann je nach Einzelfall interessant sein. Denn viele Bausparverträge bieten gute Darlehenskonditionen an und wenn Sie keinen Förderantrag stellen haben Sie viele der oben beschriebenen Punkte nicht zu beachten.
  7. Die Vertragskosten und Gebühren sollten unbedingt überprüfen. Insbesondere Versicherungsverträge stellen sich bei genauem Vergleich fast immer als sehr teuer heraus.
  8. Wenn Sie sich Ihr Eigenheim nur mit  Müh und Not über einen Wohnriestervertrag leisten können, sollten Ihre Alarmglocken läuten. Denn die meisten Bauprojekte werden teurer wie geplant und in den meisten Fällen haben Sie dann schon Ihr Budget überschritten.
  9. Sollten Sie kein konkretes Eigenheimprojekt planen, so macht ein Wohnriestervertrag selten Sinn. Denn wer kann schon in jungen Jahren sagen ob ein Eigenheim z.B. beruflich überhaupt möglich ist. Eins ist sicher, ob Eigenheim oder nicht. Sie werden hoffentlich alt.

Fazit zum Thema Riester:

Es gibt keinen Königsweg. Jeder Weg der Altersvorsorge und des geplanten Eigenheims ist individuell, so individuell wie Sie.

Wenn Sie die oben genannten Hinweise beachten und einen fachmännischen unabhängigen Rat einholen, werden Sie für Sich das richtige finden.

Eine Grundregel für uns ist, dass ein Wohnriestervertrag erst dann in Frage kommt, wenn die Ruhestandsplanung gesichert ist. Dies können natürlich auch andere Formen der Altersvorsorge sein. Denn eins ist sicher und auch unabhängig von Eigenheim oder Miete, die gesetzliche Rente wird später nicht ausreichen!

 

 


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